Wie im richtigen Leben

Trierischer Volksfreund vom 09.10.2010 - Von unserer Mitarbeiterin NINA KÖLLING

Für 35 Kinder ist die Spielstadt im Haus der Jugend der Mittelpunkt der Welt
 
KONZ. Geschäftige Betriebsamkeit im Haus der Jugend ­ es wird gehandelt, produziert und gekauft, eine richtige kleine Stadt ist entstanden. In Konz haben die Ferienspiele begonnen.
 
Dort geht es zu wie in einem Ameisenhaufen: 

Die Schreinerei arbeitet der Elektrowerkstatt zu, baut Tigerenten und Kassettenregale. Die Zeitungsredaktion recherchiert fieberhaft nach guten Stories.estaurant und Küche warten auf den mittäglichen Ansturm. Alles ist so wie in einer echten Stadt.
 
Genau das sollte bei dem Projekt im Rahmen der Kinderkulturtage im Landkreis Trier-Saarburg auch herauskommen: "Wir wollten eine spielerische Verbindung zu der Wirklichkeit schaffen", erklärt Dietmar Grundheber vom Haus der Jugend. "Mama und Papa gehen arbeiten und zahlen immer alles. Aber wie das genau funktioniert, das können die Kinder hier erproben."

Die Kinder arbeiten, bekommen Geld und können es für Essen oder Freizeit wieder ausgeben oder zur Bank bringen. Wie das in der richtigen Marktwirtschaft auch funktioniert, werden Spiele, die nicht so gut ankommen, am nächsten Tag von Spielen ersetzt, die gut laufen. Und das ist auch bei allen anderen Dingen so, die produziert werden.
"Schreinermeister" bei der
Arbeit: Der achtjährige Lukas  Jakobi (links) und Dominic
Steinmetz (9) sind voll
konzentriert bei der Arbeit.
Sie sitzen an einer Auftrags-
arbeit für die Elektrofirma der
Kinderstadt.Foto: Nina Kölling
   
Die Kinder zwischen sieben und elf Jahren mussten sich natürlich beim Einwohnermeldeamt der Stadt registrieren lassen, und sich beim Arbeitsamt einen Job suchen. Dabei konnte jeder frei wählen. An den nächsten Tagen kann das Beschäftigungsfeld wieder getauscht werden. "Für morgen sieht es allerdings etwas schwarz aus", sagt Julia Richardt (9) vom Arbeitsamt. "Es gibt einfach zu viele Voranmeldungen für den Köchinenposten."
 
In welchem Beruf die jungen Bürger auch arbeiten, es gibt 15 Euro die Stunde ­ natürlich als Spielgeld. Die produzierten Waren werden bei "Gut&Günstig" verkauft, dem ersten Händler am Platz. Aber auch Auftragsarbeiten sind möglich. Die Schreinerei stellt eigens für die Produktion von "Heißen Drähten"-Spielen der Elektrowerkstatt Holzgriffe her.
 
Noch etwas ist wie im wahren Arbeitsleben: Nach harter Arbeit, immerhin 3,5 Stunden pro Tag, freut sich ein jeder auf den Feierabend um 15.30 Uhr.
 
Dann können die Kinder zwischen verschiedenen Freizeitaktivitäten wählen: Ob Kino, Kart fahren oder Hüpfburg, für alle ist etwas dabei.
 
"Nur eins war doof: Das Kino ist voll!", da waren sich alle die Kinder, die in den ausverkauften Kinosaal nicht mehr hineinpassten einig.
 
Ein Rätsel bleibt offen: Die Stadt hat keinen Namen. Deshalb hat die Spielstadt-Tageszeitung einen Wettbewerb ausgeschrieben. Natürlich nur für die 35 Einwohner im Haus der Jugend.
 
Am Freitag schließt die Spielstadt wieder die Pforten. Aber Dietmar Grundheber hat gute Nachrichten: "Auch wenn dies ein sehr arbeitsintensives Ferienprogramm ist, macht sie so viel Spaß, dass wir sie auf jeden Fall in das Sommerferienprogramm aufnehmen."