Haus der Jugend Konz
 
Kinder gründen neuen Konzer Stadtteil
- Ferienfreizeit in Spielstadt Wuselkusen läuft bis Samstag
Trierischer Volskfreund vom26.07.2016

(Konz) 125 Kinder und 40 Betreuer leben seit Montag in der Spielstadt Wuselkusen am Haus der Jugend in Konz. Bis Freitag lernen die Kinder dort politische Prozesse, wirtschaftliche Zusammenhänge und die Arbeitswelt kennen.

Foto: Christian Kremer/Friedemann Vetter

Die Schlange am Wuselkusener Arbeitsamt ist lang. Gleich 125 Kinder wollen einen Job als Radioreporter, Filmvorführer, Kunsthandwerker, Bäcker oder Eisverkäufer. Es sind genug Stellen da, aber nicht alle sind gleich beliebt. Und die siebte Spielstadt, die das Jugendnetzwerk Konz (Junetko) seit 2003 am Haus der Jugend veranstaltet, ist sogar noch größer als ihre bisher größte Ausgabe im Jahr 2012, als 115 Sieben- bis 13-Jährige dabei waren.

Auch diesmal wählen die Kinder wählen einen eigenen Stadtrat und einen Bürgermeister. Sie gehen einem Beruf nach und lernen so spielerisch und alltagsnah, was Demokratie ist und wie die Arbeitswelt funktioniert.

Dass dieses Konzept nachhaltig ist, zeigt das Beispiel von Annabelle Müller. Die Kinder wählten sie 2014 zur Bürgermeisterin von Wuselkusen. Inzwischen ist Annabelle mit 15 Jahren zu alt, um erneut teilzunehmen. Trotzdem steht sie am Montag zusammen mit dem hauptamtlichen Beigeordneten der Verbandsgemeinde Konz, Joachim Weber, und Junetko-Geschäftsführer Dietmar Grundheber auf der Bühne, um die Teilnehmer auf dem Wuselkusener Marktplatz im neuen Konzer Stadtteil vor dem Haus der Jugend zu begrüßen. Diesmal ist Annabelle eine von 35 bis 40 Betreuerinnen und Betreuern.

Gleich nach der Begrüßung führt die 15-Jährige eine Gruppe Kinder durch die Stadt. "Können wir uns beeilen, damit wir die beste Arbeit bekommen?", fragt ein Junge. Annabelle zeigt ihnen die Werkstätten für Instrumente, Schmuck und Leder, die Saftbar, die Eisdiele und die Bäckerei. Als sie zur Radiostation kommt, sagt die 15-Jährige: "Da sind wir mal gespannt, was ihr dieses Jahr die ganze Zeit spielt - letztes Mal war es ‚Atemlos' von Helene Fischer." In der Erste-Hilfe-Station im Nebenhaus sagt Annabelle: "Hier kümmern sie sich darum, dass alle Kinder sich mit Sonnencreme eingecremt haben. Wer das nicht macht, muss ein Strafgeld zahlen."

Und gezahlt wird in Wuselkusen mit der eigenen Währung: Wusel. Diese verdienen die Kinder bei ihren Jobs in den Werkstätten, im Café oder als Eisverkäufer. Einer der Ersten, der weiß, wie er am ersten Tag an seine Wusel kommt, ist Liam Kinzinger. Der Zwölfjährige ist zum ersten Mal bei Wuselkusen dabei und darf im Kino arbeiten. Aus seiner Sicht ein Traumjob. Er wolle aber in der Woche auch noch kochen und andere Aufgaben übernehmen, sagt er. Im Gegensatz zu Liam ist Liane Grölinger (8) schon zum zweiten Mal in Wuselkusen: "Ich freue mich total darauf." Auch sie ist schnell bei der Agentur für Arbeit und hat ihren Traumjob ergattert: "Ich bin Eisverkäuferin." Ihre Kollegin dabei kennt sie gut. Die neunjährige Jana Faber ist zum ersten Mal Wuselkusenerin und wegen ihrer Freundin Liane hier: "Sie hat mir nur Gutes hiervon erzählt."

Alte Hasen sind hingegen die Betreuerinnen Mona Grundheber (20) und Petra Grünen (49). "Ich mag, dass das eine kleine Stadt für Kinder ist, die sich stetig verändert", sagt Mona Grundheber. Viele Veränderungen seien dabei von den Kindern angeregt worden. Sie könnten - wie in einer richtigen Kommune - selbst Einfluss ausüben. "Wenn man sich das so ansieht, wie sich das seit 2003 entwickelt hat, ist das richtig professionell geworden", meint Petra Grünen. Sie ist Betreuerin der ersten Stunde und immer noch gerne dabei: "Das alles wurde von Kindern geschaffen."

 
Extra
Pädagogisch betreute Kinderspielstädte gibt es in ganz Deutschland. Die Konzer Spielstadt Wuselkusen ist die größte Ferienfreizeit in der Verbandsgemeinde Konz. Die href="http://www.wuselkusen.de/administrator/Editor/5 Teilnehmer zwischen sieben und 13 Jahren werden noch bis Freitag, 30. Juli, von 10 bis 17 Uhr betreut. Am Samstag beginnt um 15 Uhr das Abschlussfest.

Das Jugendnetzwerk Konz (Junetko) veranstaltet die Stadt im Zwei-Jahres-Rhythmus seit 2003. Junetko-Geschäftsführer Dietmar Grundheber hat die Idee aus Berlin mitgebracht. Das Ziel: Kinder lernen ansonsten schwer verständliche soziale Prozesse wie Wahlen und Demokratie verstehen. Auch wirtschaftliche Zusammenhänge - zum Beispiel Angebot und Nachfrage - spielen eine Rolle. Durch den Berufsalltag sammeln die Kinder Erfahrung mit Handwerk, Musik oder Zeitungsmachen. cmk